Produktion 2020

Aufgeschoben heisst nicht aufgehoben!

Jetzt im Mai wäre das Stück «Das Gerücht» im Gemeindesaal in Hausen a. A. uraufgeführt worden, wäre uns nicht die Corona Pandemie in die Quere gekommen. Und dabei geht es in dem Stück ebenfalls um eine bevorstehende Pandemie. Das Verrückte daran ist, dass wir es in der Zeit von Oktober bis November 2019 gemeinsam erarbeitet haben. Noch vor Weihnachten erhielten wir vom Autor, Marc Späni das fertige Stück. Im Januar 2020 begannen wir mit den Proben. Gleichzeitig näherte sich das Covid 19 Virus klammheimlich und überflog auch die Schweizergrenze. Bei uns kamen Zweifel auf, ob der Zeitpunkt für die Aufführung sinnvoll sei, denn die Realität überholte uns brutal. Schliesslich nahm uns der Bundesrat die Entscheidung ab. Mit etwas Wehmut schauen wir zurück auf die vielen Stunden, die wir mit dem «Gerücht» verbracht haben. Jetzt ist es aber Zeit, uns nach vorne auszuschauen. Wir sind selber noch gespannt, welches Theaterstück wir im Juni 2021 auf die Bühne bringen werden. Die Suche kann losgehen!

Rückblick vom Autor, Marc Späni
Ich wollte im Rahmen eines Weiterbildungsprogramms ausprobieren wie man mit einer Schauspielgruppe ein Stück entwickelt. Dies möglichst nur durch spielen, experimentieren, improvisieren, also ohne lange Planungssitzungen und Diskussionen. Im Theater Cooltour fand ich nicht nur Freude am Spielen und ein grosses Engagement, sondern auch ein riesiges Potenzial, speziell was das Improvisieren angeht. Ich glaube, vielen aus der Truppe war gar nicht bewusst, welche Ressourcen sie mitbrachten. Die grosse Herausforderung für mich war in die erste Probe zu kommen ohne Thema, ohne Grundidee, ohne nichts. Mit dieser Situation musste ich zuerst einmal klar kommen. Wir haben relativ lange nur improvisiert, Rollen ausprobiert, uns Situation vorgestellt, bis dann der Punkt kam, wo wir spürten, jetzt braucht es einen konkreteren Rahmen. In diesem groben Rahmen ist dann das Stück entstanden. Durch den gemeinsamen Schaffensprozess hat «Das Gerücht» einen ganz eigenen Charakter bekommen. Es ist von jedem etwas dabei und doch ist es mehr als die Summe von diesen einzelnen Teilen.

Zusammenfassung des Stücks «Das Gerücht» von der Regisseurin Livia Huber
Das ist die Geschichte von Wildtieren in der Stadt. Oder zumindest ist das die Geschichte vom Gerücht, dass es in der Stadt Wildtiere hat. Wie viele? Das weiss keiner, aber wenn man der schwatzhaften Coiffeuse glaubt, werden es täglich mehr. Das riecht doch nach einer guten Story, findet der Radiosender Metropol und hilft nun fleissig mit darüber zu informieren.
Man füge hier was hinzu und nehme da was weg, schon wird aus einem Fuchs am Stadtrand ein Rudel monströser Bestien- Die Bevölkerung ist bedroht.
Was tun? Lockdown?
Die Behörden rufen eine Gesundheitspolizei ins Leben, Bürgerwehren machen die Stadt unsicher, und wer dieser Entwicklung kritisch gegenübersteht oder sich sogar auf die Seite der Tiere stellt, wird zum Feind erklärt.
Ja, das Leben verändert sich.
Überall werden Hände gewaschen und alles wird stets gründlichst desinfiziert. Der unsichtbare Feind will mit allen erdenklichen Mitteln aufgehalten werden.
In solchen Zeiten ist Unsicherheit die treibende Ohnmacht.
Da bleibt keine Zeit mehr für Solidarität, es gilt sich selber bestmöglich zu verteidigen. Im Ernstfall. Und dieser Ernstfall rückt näher. Bewaffnet macht sich das Volk auf zum Dorfplatz. Sie kommen die Wildtieren, sie kommen – BLACK – man hört einen Schuss.

Was wie eine Kleinstadt-Komödie begann, entwickelte sich immer mehr zu einer Groteske, die aktuelle und zeitlose Themen wie den Konflikt von Natur und Zivilisation, die Angst vor dem Fremden oder die Eigendynamik von urbanen Legenden und Fake News aufgreift. Vor allem aber erzählt es von kleinen Ängsten und davon wie schnell diese zu einer Massenpanik werden können.